INTERVIEW | Head-Coach Oliver Lang zur Saison 2016/17

Seit einer guten Woche ist die Bezirksliga-Saison für die Eisbären Würzburg beendet. So ist schon etwas Zeit vergangen, in der sich der Mann, der in dieser Spielzeit nach einem Jahr Schaffenspause wieder an der Bande die Zügel in der Hand hatte, seine Gedanken über die zurückliegenden Wochen machen konnte. Wir wollen die Gelegenheit nutzen und dem Head-Coach Oliver Lang ein paar Fragen zu stellen, in denen auch ein kleines Resümee gezogen werden kann.

Servus Oli, eine anstrengende Saison mit 20 (!) Ligaspielen ist vorbei. Hand aufs Herz, bist du froh, dass es rum ist und was hältst du vom Modus einer 1,5-fach Runde?

Oli: Eine Saison mit 20 Ligaspielen ist in Würzburg wirklich anstrengend. Wir müssen diese in der Zeit von Anfang November bis Anfang Februar, also in rund drei Monaten, erledigen. Das bedeutet, dass einige Wochenenden mit Doppelspieltagen aufwarten. (Anm. der Redaktion: insgesamt sechs und davon gleich vier in Folge alleine im Januar) Für andere Teams mit einer Eishalle ist dies deutlich einfacher. Die können schon im Oktober die ersten Spiele machen und so ein wenig Zeitdruck raus nehmen.

Durch verschiedene Verletzungen, Sperren und aus anderen Gründen war unser Kader zum Schluss doch sehr dezimiert und so war ich dann auch froh, als wir die Saison mit einem Sieg nach Penaltyschießen in Pfaffenhofen beenden konnten. Ich glaube für einige Mannschaften in der Bezirksliga war dieser Modus gut, da es viele Derbys gab. Für uns bringt das allerdings nicht allzu viel!

Das deckt sich mit unserem Eindruck, auch wenn die Spiele gegen Schweinfurt gute Stimmung im Eisbärengehege gebracht haben und auch auf dem Punktekonto gut zu Buche stehen. Mit Waldkirchen und Ingolstadt hatte man zwei absolut dominierende Mannschaften in der Liga. Macht es Sinn, wenn solche Teams in der Bezirksliga mitmischen und wie könnte ggf. eine Lösung aussehen?

Oli: Ingolstadt war schon mehrfach hintereinander Meister in unserer Bezirksliga und hat dann jeweils freiwillig auf den Aufstieg verzichtet. Warum spielen Sie denn dann nicht einfach in einer Hobbyrunde mit, wo es um nichts geht? Es handelt sich hier um die zweite Mannschaft eines DEL-Vertreters und die spielt in der untersten Liga Eishockey!? Das muss man sich mal geben …

Ingolstadt hat jetzt endlich erkannt, wie mir ein Verantwortlicher des Vereins erzählte, dass die Mannschaft aufsteigen muss und ich wünsche Ihnen dafür viel Glück. Waldkirchen wurde vom Verband in unsere Region versetzt, damit sie endlich die Chance bekommen aufzusteigen. Ich hoffe für Waldkirchen, dass dies auch der Fall sein wird. Einfache Entfernung zum Auswärtsspiel nach Waldkirchen waren ca. 340km für uns. Das ist doch Wahnsinn und sowas kann auf Dauer kein Verein bezahlen! (Anm. d. Redaktion: mittlerweile wissen wir, dass Waldkirchen in der ersten Runde der Aufstiegsplayoffs gegen den EHC Klostersee unterlegen ist und somit zumindest sportlich der Aufstieg nicht erfolgt ist.)

Waldkirchen und Ingolstadt wurde schon angesprochen. Vor allem dort habt ihr auswärts bittere Pillen schlucken müssen, aber ein paar Mal war es gegen Favoriten auch echt knapp. Besonders weh dürften am Ende die Niederlagen in Regen und Mitterteich gewesen sein. Fanden diese Spiele zu früh in der Saison statt?

Oli: Ich glaube nicht, dass diese Spiele zu früh für uns stattfanden. Wir haben einen erheblichen Aufwand auf uns genommen und waren von Anfang September bis Ende Oktober mindestens zweimal die Woche in Hassfurt auf dem Eis. Dazu kam noch unser alljährliches Trainingslager in Sonneberg. Ich denke schon, dass wir gut gerüstet waren für diese Partien. Leider hat uns bei einigen Spielen einfach nur das Glück gefehlt!

Das kann man so unterschreiben. Vor heimischen Publikum habt ihr überwiegend richtig gut gekämpft und den Zuschauern tolle Partien geboten. Gedankt wurde das mit guter Stimmung. Wie meinst du, kann man das in Zukunft noch ausbauen?

Oli: Wir haben gute Spiele abgeliefert und ich denke auch bei der ein oder anderen Niederlage waren die Zuschauer trotzdem begeistert von unserem Sport. Um diese Stimmung hinüber in die nächste Saison zu retten, müssen wir weiter investieren. Die Mannschaft muss die Spiele, die knapp verloren wurden, zuhause einfach in Siege umwandeln und dann ist es ein Selbstläufer. Viele Zuschauer mit denen ich nach den Spielen gesprochen habe, waren das erste Mal beim Eishockey. Ich denke, wenn wir weiterhin gut arbeiten und uns verbessern, werden diese wiederkommen und es auch weitererzählen.

Bleibt zu hoffen, dass die kommende Spielzeit wie geplant stattfinden kann. Was war dein Highlight diese Saison und was der Tiefpunkt?

Oli: Die Highlights waren unser letztes Heimspiel gegen Mitterteich, bei dem die Mannschaft eine gute Leistung gezeigt hat und das mit super Stimmung gedankt wurde. Und dann unser letztes Saisonspiel in Pfaffenhofen mit dem Sieg im Penaltyschießen nach 0:3 im ersten Drittel. Die Tiefpunkte der Saison waren sicherlich die Spiele gegen Ingolstadt, mal mit der Ausnahme des ersten Heimspiels und die schwere Verletzung von Thomas Schuster früh in der Saison gegen Waldkirchen.

Thomas war in den letzten Wochen im Kreise der Mannschaft und wir hoffen, dass er zur neuen Saison wieder voll fit ist und das „Problem“ Ingolstadt könnte sich ja mit einem Aufstieg erübrigen. Dennoch, das Saisonziel, ein Platz in der oberen Hälfte der Tabelle, wurde verfehlt. Am Ende sind die Red Dragons aus Regen immerhin mit acht Punkten vor den Eisbären auf Platz 4. Wie sieht dein Saisonfazit aus?

Oli: Wir haben mein gestecktes Saisonziel um einen Platz verfehlt und sind anstatt 4. nur 5. geworden. Somit haben wir uns um einen Platz zur letzten Saison verbessert. Ich finde es schade, bin aber doch stolz auf meine Jungs, die bei den meisten Spielen alles gegeben haben und oft nicht für Ihren Aufwand und Engagement belohnt wurden. Regen hat teilweise mit drei Ausländern gespielt und davon hat einer sogar kurzfristig in der NHL agiert. Sollen wir uns mit solchen Mannschaften vergleichen? Ich finde dafür waren wir echt knapp dran und mit ein bisschen mehr Glück auf unsere Seite, wären wir auch mit denen was die Punkte angeht, auf Augenhöhe gewesen.

Danke für die ehrliche Einschätzung so kurz nach der Saison, Oli. Hoffen wir, dass es sich das Glück in der kommenden Spielzeit etwas mehr auf unsere Seite wendet und die Liga vielleicht auch wieder ausgeglichener wird. Das ist natürlich von verschiedensten Faktoren abhängig. Dennoch war es eine tolle Spielzeit und wir, die Verantwortlichen des ESV, danken der Mannschaft und dir, sicher auch im Namen der Fans für einige tolle Spiele vor heimischem Publikum. Hoffen wir, dass der Aufwärtstrend anhält!

Bis zum Saisonende stehen neben ein bis zwei Freundschaftsspielen auch noch ein Turnier für die Eisbären auf dem Programm. Dafür schon mal viel Erfolg und vor allem auch Spaß! Denn darum sollte es auch bei einer Bezirksliga-Mannschaft auch immer gehen. Im Anschluss beginnen dann die Planungen für die kommende Spielzeit, die hoffentlich schneller kommt, als es im Moment den Anschein macht.